Bauzeit + Umfang, Lage und Begrenzung

Die Harbachsiedlung, auch als “Führersiedlung” bezeichnet, setzt sich aus fünf Baublöcken entlang der Leonfeldnerstrasse zusammen, die über sechs Verbindungsbauten zu einer Anlage zusammenhängen, sowie einem separaten Baublock nordwestlich davon. Die Leonfeldnerstraße selbst und der anschließende Haselgraben waren seit jeher die Reiseroute in die heutige Tschechische Republik. Entlang dieser Strecke führte auch die Pferdeeisenbahn, mit der man vom Südbahnhof aus bis nach Budweis gelangte.
Mit dem Bau der Siedlung wurde 1939 begonnen, ihre Fertigstellung war für 1948 geplant. Aufgrund der Linzer Nachriegssituation konnten viele Wohnungen aber erst 1953 bezogen werden.
Auf dem Gebiet der Harbachsiedlung sollten ursprünglich 1894 neue Wohnungen entstehen. Davon fertiggestellt wurden schlussendlich aber nur 840.

Harbachsiedlung - map

Ortsplan der Harbachsiedlung

Wohnungsgröße und Ausstattung

Die Wohnungen der Harbachsiedlung sollten den modernsten Standards entsprechen, sowohl was ihre Ausstattung als auch ihre Größe betraf. Bis dahin lebten Familien auf kleinstem Raum zusammen, fließend Wasser, Bad und WC in der Wohnung, Elektrizität oder gar eine Zentralheizung waren ganz und gar unüblich.
Die Hitlerbauten hingegen waren auf eine Größe von 3 bis 4 Zimmern für Arbeiterfamilien ausgelegt und sollten mit jedem damals erdenklichen Luxus ausgestattet werden. Jede Wohnung verfügte über fließend Wasser und Strom. Die meisten Wohnungen in der Leonfeldnerstraße sind ca. 80m² groß, manche, allerdings nur höherrangigen Personen vorbehaltene Wohnungen, sogar 120m².
Alle Grundrisse folgten ein und demselben starren Schema, von dem es kaum individuelle Abweichungen gab. So waren zum Beispiel Küchen generell in Richtung des Innenhofs ausgelegt. Strom diente nicht nur der Entlastung der Hausfrau, die als Ideal-Typus massiv aufgewertet wurde, sondern auch der Verbreitung politischer Ideen (→ Volksempfänger).
Mit Bauweise und Ausstattung wurden also nicht nur soziale, sondern auch politische Ziele verfolgt. Lückenlose Überwachung und durchgreifende Disziplinierung wurden vor allem durch die in alle Wohnungen Einsicht bietenden Innenhöfe ermöglicht. Zudem waren die Wände dünn und damit besonders hellhörig. Sogenannten “Blockwarten” kam die offizielle Aufgabe zu, ihre Mitbewohner zu beobachten und über jedwede noch so geringfügige Abweichung von der “richtigen Gesinnung” genauestens Protokoll zu führen.

Riesenblock

Anders als in anderen Stadtteilen, die mit eher kleinteiliger Bebauung dem Wohn-Ideal der Nationalsozialisten eher entsprachen, wurden in der Harbachsiedlung sogenannte Riesen- oder Superblocks errichtet. Diese bestehen aus meist fünf aneinander gereihten Vierkantblöcken, sind viergeschossig mit langen, weitgehend ungebrochenen Fassaden. Durch die geschlossene Bauform ergeben sich weitläufige Innenhöfe mit parkartigen Anlagen. Die wuchtige, monumentale Erscheinung des Superblocks dient auch repräsentativen Aufgaben. Im Zuge des Kriegsverlaufs hat sich der Superblock aber auch als die finanziell günstigste Bauweise erwiesen. Neben Wohnraum bietet er außerdem Platz für Geschäftslokale.
Im Gegensatz zu den langen, nüchtern erscheinenden, rein funktionalen und nur wenig gegliederten Fassaden mit ihren monumentalen Torbögen stehen die zum Teil mit grotesk vielen Bögen und Pfeilern ausgestatteten Durchfahrten und kleinen Zwiebeltürme ohne jegliche praktische Funktion.

Harbachsiedlung - Blockbauweise

Harbachsiedlung – Blockbauweise

 

Namensgebung

Üblich war es, der Siedlung den Namen des Bauernguts oder den Flurnamen zu “vererben”, auf dessen Grund die neue Wohnanlage entstand. So leitet sich zum Beispiel der Name der Harbachsiedlung vom naheliegenden Harbach ab. (Die Spallerhofsiedlung, der Bindermichl oder das Hartmayrgut hingegen erhielten ihre Bezeichnungen von Bauernhöfen).
Weil der Baustil der Harbachsiedlung in seiner Monumentalität ganz vom bislang üblichen abwich und wegen seiner als exzellent eingeschätzten Verbindung von Urbanität und Naturverbundenheit ist diese Siedlung schon bald als Mustersiedlung eingestuft und dafür 1940 mit der Bezeichnung “Führersiedlung” ausgezeichnet worden.

Hinweis:  „Bauten und ihre Namen. Positionen aus Architekturgeschichte, Denkmalpflege und zeitgenössischer Kunst“. Am 18.1.2013, von 16 – 21 Uhr findet zu diesem Thema im Festsaal des NORDICO das Abschlusskolloquium zur Ausstellung statt.

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